Beuys, Josef

Joseph Beuys gilt heute als einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Sein Werk reicht von traditionellen Formen der Darstellung wie Zeichnung, Malerei und Plastik über Multiples und große Installationen bis hin zu öffentlichen Auftritten.

Der Krefelder Beuys meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst und überlebte schwer verletzt mit 23 Jahren den Absturz seines Flugzeuges über der Krim. Anschließend wurde er als Fallschirmjäger an der Westfront eingesetzt. Die Erlebnisse dieser lebensbedrohlichen Situationen prägten ihn für sein weiteres Leben so nachhaltig, dass er sie in seiner Kunst immer wieder verarbeitete.
Nach dem Krieg begann er sein Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie in Düsseldorf und wurde von 1952-54 Meisterschüler von Ewald Mataré. Er beschäftigte sich intensiv mit naturwissenschaftlichen und philosophischen Schriften sowie kunsthistorischen Abhandlungen und entwickelte dadurch allmählich einen neuen Kunstbegriff, wonach Kunst und Leben nicht voneinander getrennt betrachtet werden dürfen, sondern sich gegenseitig durchdringen und erhellen sollen.
Im Jahr 1961 wurde Joseph Beuys zum Professor für monumentale Bildhauerei an der Düsseldorfer Kunstakademie berufen und vermittelte seinen Schülern seine bahnbrechenden Ideen. Zahlreiche Fluxus- und Happening-Veranstaltungen sowie Vorträge brachten ihm einen hohen Bekanntheitsgrad ein. Schließlich kam es 1972 an der Düsseldorfer Akademie zum Eklat, da Beuys alle von der Akademie abgewiesenen Studenten in seine Klasse aufnahm und daraufhin entlassen wurde. Seiner Ansicht nach sollte jedem der Zugang zum Kunststudium und zum eigenen Kunstschaffen ermöglicht werden. In einem Vortrag, den er im November 1985 in den Münchner Kammerspielen hielt, sprach er den viel zitierten Satz: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“
Joseph Beuys zielte mit seinen Kunstaktionen und Werken auf grundsätzliche Sinnfragen und die Kernfrage, wie die Kunst in der heutigen Industriegesellschaft existieren kann und welche neuen Aufgaben ihr zukommen. Mit seinen immer wieder verwendeten Materialien, vor allem Filz und Fett, wollte er den Symbolwert des Materials betonen, der sich teilweise durch seine Erlebnisse im Krieg erklärte.
Er starb 1986 in Düsseldorf.

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